Flashlight | Finanzverwaltung #2

Grün, rot oder blau oder was?

Wer schon häufiger mit dem Finanzamt Kontakt hatte, dem ist vielleicht aufgefallen, dass sich auf einigen Unterlagen Striche in verschiedenen Farben befinden. Manchmal sogar bis zu drei Striche (grün, rot und blau).

Was wie ein einfacher Kinderstreich aussieht, ist jedoch ernster Behördenalltag. Kein Finanzbeamter (der noch was werden will) würde es je wagen, ein dienstliches Dokument mit grüner Farbe zu zeichnen. Im Gegenteil: ein mit grüner Farbe auf ein Dokument gekritzeltes „bR“ kann selbst gestandenen Finanzbeamten kurzfristig den Atem nehmen. Und sie haben Recht. Denn das „bR“ verheißt meistens nichts Gutes und sie erwartet ein Gespräch bei dem Vorsteher…

Hintergrund dieser behördlichen Farbenlehre ist die Geschäftsordnung der Finanzämter (EB-FAGO). Peinlich genau ist dort geregelt, wem welche Farbe im Finanzamt „gehört“:

grün=Vorsteher | rot= Vertreter des Vorstehers | blau = Sachgebietsleiter | schwarz = Sachbearbeiter

Die Verwendung dieser Farben hat ihre Bedeutung insbesondere für den Geschäftsablauf bzw. Geschäftsgang. So ist bspw. bei der Anbringung eines „/“ oder Namenszeichen in der entsprechenden Farbe auf einem Schriftstück sofort ersichtlich, wer den Geschäftsgangvermerk angebracht (und damit auch zur Kenntnis genommen) hat.

Ein grünes „bV“ (Bitte Vortrag) habe ich selbst noch nicht erlebt, soll aber in dem einen oder anderen Finanzamt schon mal vorgekommen sein.

Schließlich sind auch noch die Grünkreuzfälle (+) von Interesse. Dabei handelt es sich um Vorgänge, bei denen sich die Amtsleitung die abschließende Zeichnung vor dem Abgang vorbehalten hat.